Jan 24
2013

Was ist nur mit der Hertha los?

Da ist die Hertha nun wieder abgestiegen und versucht sich nun mal wieder in der 2. Liga. Nichts neues oder was? Seit Anfang der 90er Jahre wir endlich wieder im Oberhaus Bundesliga ankamen, ging es mal rauf, mal runter, mal nach Europa, mal nach Wattenscheid. Warum wir in Berlin einfach keine Konstanz reinkriegen, ist mir ein Rätsel. Ich glaube aber, das liegt auch ein bißchen an der Berliner Mentalität, selbst wenn die meisten Spieler woanders herkommen. In Berlin nämlich sind die Leute sehr wohl bereit zu fighten und auf ihren Rechten zu bestehen, doch erliegen wir manchmal auch unserem eigenen Sarkasmus und wir lieben die Ironie wohl viel zu sehr. Wo da der Zusammenhang zur Hertha ist? Ganz einfach: Wenn wir mal vorne stehen, dann klotzen wir richtig, doch leider reicht es dann eben substanziell eben nicht auf Dauer. Darüber mokieren wir uns und wir können dann auch über uns selber lachen. Aber Herzlichkeit, gerade zu sich selbst, hilft eben im Fussball nur selten und so gehen wir dann schnell mal zur Selbstzerfleischung über. Alles Ironie, nicht wahr? Berlin ist eine Tempostadt, die aber auch gerne mal eine Pause macht, leider und viel zu oft gerade dann, wenn wir gerade Fahrt aufgenommen haben. Das macht uns wohl auch im Fussball aus und die anderen Clubs sollten froh sein, dass es die Hertha gibt! Als Verein sind wir Himmel und Hölle und man nenne mir einen anderen Club, der so oft nach oben gelangte und dann so tief fiel! Das hat doch Charakter, auch wenn es uns Fans eigentlich in der Seele weh tun sollte. So fügen wir uns dann eben in unser Schicksal, vergessen aber nicht kräftig zu meckern. Dabei gehen wir selten auf andere los, höchstens wenn sie mal wieder meinen, allen voran die reichen Vereine aus dem Süden, uns alles vorschreiben zu müssen. Wir Berliner wissen zwar nicht genau, was zu tun ist, aber wir machen es so, wie wir das wollen. Wir brauchen keine Mäzene und haben doch welche. Unser innerer Widerspruch hat Unterhaltungswert und ich gehe sogar davon aus, dass die Hertha auch in Zukunft ihren ZickZack-Kurs nicht verlassen wird. Wer bei uns als Spieler anheuert, kann demnach alles erleben. Und das macht eine Karriere doch richtig interessant nicht wahr?`Immer nur gewinnen und immer nur verlieren ist doch langweilig. Abgesehen davon, dass bei uns die Spieler so gut wie sonst nirgendwo feiern können, ist doch die Fangemeinde geradezu stoisch in ihrem Gleichmut, unfassbar aufrausend aber in ihrem Zorn. Wir sind wie Janus, der römische Gott mit den zwei Gesichtern und das macht uns auch irgendwie Spaß. Wo die Hertha am Ende einer Saison steht, lässt sich niemals auch nur eingrenzen. Wo wir stehen wollen, das tun wir jedoch lauthals kund und lassen es jeden voller Überzeugung wissen.

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Jan 21
2013

Ein herzliches Hallo an alle Besucher meines Blogs.

Ich habe kein bestimmtes Thema im Zentrum, sondern will vorrangig über meine Eindrücke hier in Berlin berichten. Ich bin selbst quasi ein Urgestein dieser so historischen Stadt und es macht mich stolz, die Veränderungen der letzten Jahrzehnte miterlebt zu haben. Vor einigen Jahren bin ich dann ins Zentrum gezogen, da ursprünglich meine Heimat draußen in Köpenick lag, ich aber natürlich immer wieder auch in Mitte usw. mich aufgehalten habe. Mein ganzes Leben spielte sich mehr oder minder in Berlin ab und ich muss schon sagen, was aus unserer Stadt geworden ist, das ist schon echt gigantisch. Als die Mauer noch stand, da war Berlin zwar auch der Magnet überhaupt, aber immer hing eine Art Schleier des Ungefähren, Unsicheren, eben eine Art Eiserner Vorhang über der Stadt. Die wilden Jahre nach der Wende schufen dann die Basis für die kommenden Entwicklungen und als dann endlich klar war, dass wir wieder Hauptstadt werden, begann ein bis heute noch lange nicht vollendeter Boom. Es wurde und wird gebaut wie sonst nur in asiatischen Städten und gewissermaßen jedes Jahr kommt etwas neues dazu. Die Kunst-und Kulturszene kam selbst aus München oder Hamburg und Köln hierher und heute bevölkern Schauspieler, Schriftsteller, Maler und so viele mehr die Straßen meiner Stadt. Das schafft ein ganz besonderes Klima und auf die soziale Mischung sind wir Berliner auch richtig stolz. Das gibt es sicher nur an wenigen anderen Orten in Deutschland, dass so viele unterschiedliche Schichten und Leute zusammenleben, meistens friedlich, fast immer kreativ und aufgeschlossen. Aus einer runtergekommenen Bausubstanz sind wunderschöne Häuser neu erstanden und wo noch vor ein paar Jahren Bombenkrater gähnten, recken sich heute durchdachte Neubauten in den Himmel. Unsere Museen von Weltgeltung sind wieder da, wo sie hingehören und wer schon einmal auf der Museumsinsel flanierte, der kann diese Einmaligkeit sicher verspüren. Berlin ist alt und neu, frech und fröhlich, wild und ernst wenn es drauf ankommt. Wir haben hier einen Querschnitt dieser globalen Welt, denn hier kann man viele Sprachen und Kulturen kennenlernen, was eigentlich schon einen Vorgriff auf die Zukunft einer zusammenwachsenden Menschheit darstellen mag. Hier finden sich neuste Entwicklungen zwischen Bewährtem und selbst wenn wir mal einen Flughafen nicht gleich fertig bekommen, ist das noch lange kein Weltuntergang. Vielmehr wachsen die Berliner an ihren Aufgaben und sind trotzdem für Müßiggang und ein bereicherndes Gespräch und auch um Humor niemals verlegen. Wir sind keine Busy-Busy Metropole und wollen es auch gar nicht sein. Wir sind aber auch keine verträumte und ein wenig aufgetragene Großstadt wie etwa Wien oder auch Rom, vielmehr schauen wir nach vorn ohne dabei unsere bewegte Vergangenheit zu vergessen. Es lohnt sich, hierher zu fahren und auch hier zu wohnen.
Klar, die Mieten steigen, aber ist das nicht völlig normal bei einem solch attraktiven Standort? Die Menschen wollen heute gut und nah dem Vergnügen leben und nicht mehr ihr Leben für irgendwelche Ideologien verschwenden. Da gehört eben das Geldausgeben genauso dazu wie eine gewisse Gratiskultur. Und mal ehrlich: Wen interessiert denn, ob die S-Bahn dreckig ist – so lange sie fährt und bezahlbar bleibt? Das ist doch alles Teil dieses besonderen Berliner Wesens und ich hoffe, dass uns dieser Spagat zwischen Moderne und Tradition noch lange erhalten bleibt. Die Berliner Schnauze jedenfalls, die ich auch pflege, ist immer noch aktiv und sie wird Euch auch in diesem Blog immer mal wieder begegnen.

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